Erhalten Verbraucher bedarfsgerechte Anlageprodukte?

10.12.2015

Untersuchung bedarfsgerechte Geldanlage 2015

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Finanzberatung zu Geldanlage und Altersvorsorge
"Verbraucher können leider nicht davon ausgehen, dass ihnen von Banken und anderen Finanzvertrieben Geldanlagen angeboten werden, die zu ihrem Bedarf passen“ - Werner Bareis
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Mit einer Untersuchung im Rahmens des Projekts Marktwächter Finanzen deckt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Missstände in der Finanzberatung auf. Die Schwerpunkt-Verbraucherzentrale wertete persönliche Geldanlage- und Altersvorsorgeberatungen aus Beratungsgesprächen in den Verbraucherzentralen aus und fand heraus: 95 Prozent der aktuell unterbreiteten Anlagevorschläge von Banken und Finanzvertrieben aus dieser Stichprobe passen nicht zum Bedarf der Verbraucher. Empfohlene Produkte waren zu teuer, zu unrentabel, zu unflexibel oder zu riskant. Das „niederschmetternde Ergebnis“ geht direkt zu Lasten der Altersvorsorge der Bürger.

Der Gesetzgeber verlangt von Bürgern, in Eigeninitiative für ihr Alter vorzusorgen. Viele Finanzprodukte sind jedoch sehr undurchsichtig. Zahlreiche Verbraucher holen daher Rat beim Finanzvertrieb ein, dem sie vertrauen. Grund genug zu untersuchen, ob Verbraucher auch im besten Kundeninteresse beraten werden. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg wertete 835 persönliche Geldanlage- und Altersvorsorgeberatungen aus sieben Verbraucherzentralen aus. Für die Sonderuntersuchung "Erhalten Verbraucher bedarfsgerechte Anlageprodukte" wurden sowohl bestehende Anlageprodukte der Verbraucher (3.502 Stück) als auch neue Vertragsangebote (362 Angebote) aus dem Zeitraum November 2014 bis Oktober 2015 untersucht.

Die Ergebnisse: 95 Prozent der Vertragsangebote waren nicht im besten Kundeninteresse. Sie passten nicht zur individuellen Lebenssituation, den Anlagezielen oder -wünschen der Rat suchenden Verbraucher. Zudem waren die Ratsuchenden auch bei ihren bereits abgeschlossenen Anlageprodukten schlecht aufgestellt. Hier gäbe es für etwa jedes zweite Produkt eine bessere, beispielsweise kostengünstigere oder flexiblere Alternative (45 Prozent). „Die Ergebnisse sind niederschmetternd“, so Werner Bareis, Teamleiter Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, und weiter: „Das Vertrauen in die Finanzberatung ist oft nicht gerechtfertigt. Verbraucher können leider nicht davon ausgehen, dass ihnen von Banken und anderen Finanzvertrieben Geldanlagen angeboten werden, die zu ihrem Bedarf passen“, fasste Bareis zusammen.

Vorstellung der Marktwächtererkenntnisse zur bedarfsgerechten Altersvorsorge in Berlin
Holger Groß

Finanzberatung muss jedoch im besten Kundeninteresse erfolgen. Denn schlechte Finanzempfehlungen können sich Bürger im Hinblick auf ihre Altersvorsorge nicht leisten. Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband, fordert auch im Hinblick auf die Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie (MiFID2): „Produktverkauf und Finanzberatung sind klar zu trennen. Gesetzlich ist eine hohe und verlässliche Qualität in der Finanzberatung sicherzustellen. Finanzberatung muss unmissverständlich im besten Kundeninteresse (Best-Advice) erfolgen sowie einer einheitlichen Regulierung und Aufsicht unterliegen.“ Noch gibt es hierzulande viel zu tun: Die Studie weist auf eindeutige Missstände bei der Qualität der Anlageberatung hin.