Crowdinvesting: Informationen für Verbraucher oft unzureichend

20.12.2017

Die Marktwächterexperten haben geprüft, ob Verbraucher auf Crowdinvesting-Plattformen mit den vorgeschriebenen Unterlagen ausreichend über ihre Investition informiert werden.

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Viele Hände reichen geldgefüllte Briefumschläge zu einer Hand
Crowdinvesting: Informationen für Verbraucher oft unzureichend
© adrian_ilie825/Fotolia

Für Crowdinvesting als Anlageform interessieren sich immer mehr Verbraucher [1]. Auf Internetplattformen stellen sich konkrete Projekte vor und bieten sich als moderne und zeitgemäße Geldanlageform an. Verbraucher können mit wenigen Klicks und auch mit kleineren Anlagesummen einsteigen. Und Crowdinvesting-Projekte versprechen zum Teil hohe Renditen.

Für Unternehmen ist diese Finanzierungsform attraktiv, weil hier Sonderregelungen gelten: Anders als für viele andere Geldanlagen müssen Anbieter keinen umfangreichen Verkaufsprospekt erstellen, sondern nur ein dreiseitiges Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB).

Die Marktwächterexperten in der Verbraucherzentrale Hessen haben deshalb bei 33 Internetplattformen die Unterlagen (Verträge und VIBs) von insgesamt 83 Crowdinvesting-Projekten geprüft. Im Mittelpunkt standen die Fragen:

  • Erhalten Verbraucher in den Unterlagen die für sie wichtigen Informationen?
  • Stimmen diese Informationen in beiden Dokumenten überein?

DIE ANGABEN ZUM INVESTITIONSPROJEKT SIND HÄUFIG UNGENAU

Wer in ein schwarmfinanziertes Projekt investiert, sollte im VIB eine präzise Beschreibung bekommen, wofür sein Geld verwendet wird. In 51 der 83 untersuchten Fälle waren die Angaben zum Anlageobjekt, mit denen das Investitionsprojekt im VIB näher beschrieben werden muss, aber nicht konkret. Dort fanden sich oft nur vage Umschreibungen wie zum Beispiel diese: „Die Emittentin beabsichtigt mit den Einnahmen aus der Schwarmfinanzierung ihren Geschäftsbetrieb weiter aufzubauen. Sie betreibt die Ausübung des Handelsgewerbes."[2] Auch Standardformulierungen, die offensichtlich von einer Projektbeschreibung zur nächsten kopiert wurden, fanden die Marktwächter.

DIE INFORMATIONEN ZU LAUFZEIT UND KÜNDIGUNG SIND OFT UNVOLLSTÄNDIG

Unternehmen, die ein Projekt über Crowdinvesting finanzieren wollen, legen vorab einen Mindestbetrag fest, der erreicht werden muss. Nur wenn sich genügend Investoren finden und dieser Mindestbetrag eingesammelt wird, kommt das Crowdinvesting auch wirklich zustande. Die Marktwächter haben jeweils in Vertrag und VIB der einzelnen Projekte überprüft, ob die Angaben zum Laufzeitbeginn des Darlehens in beiden Dokumenten einheitlich sind. In 54 von 83 Fällen waren die Angaben unvollständig oder missverständlich.

In fast der Hälfte der Fälle gab es zudem im VIB und im Vertrag widersprüchliche Angaben zum Laufzeitende des Darlehens. Wenn Verbraucher aber durch schwammige Formulierungen oder widersprüchliche Angaben über wichtige Punkte im Unklaren gelassen werden, treffen sie möglicherweise ihre Entscheidung auf falscher Grundlage.

KOSTEN LASSEN SICH KAUM VERGLEICHEN

Ob eine Vermögensanlage für Verbraucher rentabel ist oder nicht, bemisst sich auch daran, wie hoch die Kosten und Provisionen für ihre Platzierung, Vermarktung und Verwaltung sind. Verbraucher sollten die Kosten kennen und bei unterschiedlichen Projekten vergleichen können.
In den VIBs sind die einmalig anfallenden Kosten – zum Beispiel die Provision, die das Unternehmen an die Crowdinvesting-Plattform zahlt – aber sehr unterschiedlich dargestellt, so dass ein Vergleich kaum möglich ist. Bei 50 von 83 untersuchten Projekten fielen einmalige Kosten von rund sechs bis elf Prozent der Darlehenssumme an – ein erheblicher Anteil des Anlagesumme kommt also nicht direkt dem Projekt zugute.

FAZIT

Die Untersuchung hat gezeigt, dass viele der beim Crowdinvesting maßgeblichen Emissionsunterlagen qualitativ mangelhaft sind. Unklare und widersprüchliche Angaben im vorgeschriebenen VIB erschweren aus Verbrauchersicht eine fundierte Anlageentscheidung. Zudem sind sie äußerst problematisch, wenn zu einem späteren Zeitpunkt Unstimmigkeiten auftreten oder es zwischen einem Verbraucher und dem Unternehmen, dem er Geld geliehen hat, zu einem Rechtsstreit kommt.

Methode: Im Rahmen des Projekts Marktwächter Finanzen analysierte die Verbraucherzentrale Hessen die Vermögensanlagen-Informationsblätter sowie die zwischen Anleger und kapitalsuchendem Unternehmen geschlossenen Verträge zu 83 Crowdinvesting-Projekten. An zwei Stichtagen (19.01.2017 und 22.02.2017) wurden 68 Plattformen dahingehend gesichtet, ob sie Schwarmfinanzierungen nach § 2a Vermögensanlagengesetz vermitteln. Dies traf auf 33 Plattformen zu, die an den Stichtagen insgesamt 83 Projekte vermittelten. Anhand eines zuvor erstellten Kriterienkatalogs wurde in Folge überprüft, ob die wesentlichen Informationen zu den Vermögensanlagen in den Verträgen und in den VIBs angegeben werden. Die Kriterien für das VIB wurden aus § 13 VermAnlG abgeleitet.

[1] Vgl. Marktwächter-Umfrage Crowdinvesting: Recht bekannt - aber bislang wenig genutzt, Link siehe unten

[2] Aus einem VIB auf der Plattform Companisto GmbH, vgl. Bericht S. 26