Marktüberblick Online-Dating-Portale

24.10.2017

Marktwächter stoßen auf zahlreiche Missstände

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Marktüberblick Online-Dating-Portale
Marktüberblick Online-Dating-Portale
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Für den Marktüberblick Online-Dating hat das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Bayern mehrere Hundert Verbraucherbeschwerden ausgewertet. Ergebnis: Betreiber von Online-Dating-Portalen agieren nicht immer verbraucherfreundlich und viele Partnervermittlungen verlangen hohe Geldbeträge als Ersatzforderungen beim Widerruf. Singlebörsen und Erotikportale setzen mitunter Fake-Profile ein, um Verbraucher zu hohen Ausgaben zu verleiten.

Nutzer, die ihre Daten in die Hände der Betreiber von Singlebörsen und Erotikportalen legen, gehen damit oft ein hohes Risiko ein: „In teilweise haarsträubenden Formulierungen räumen sich Portalbetreiber in ihren Geschäftsbedingungen etwa das Recht ein, unter dem Namen des Kunden Nachrichten zu schreiben. Das sehen wir sehr kritisch und rufen Verbraucher zu Vorsicht und Wachsamkeit bei der Nutzung dieser Portale auf“, sagt Susanne Baumer, Teamleiterin beim Marktwächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Bayern.

Verbraucher können nie sicher sein, wie viele potentielle Partner auf einem Portal wirklich zu finden sind. Besonders ärgerlich für Verbraucher sind moderierte Dienste. Deren Mitarbeiter verleiten Nutzer mit frei erfundenen Profilen, möglichst viele kostenpflichtige Kontakte aufzurufen. „Hier geht es nach unserer Einschätzung ausschließlich darum, die Umsätze der Portalbetreiber zu erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit echter Kontakte ist äußerst gering“, so Baumer weiter.

Die häufigsten Ärgernisse

In der folgenden Übersicht sind exemplarische Verbraucherbeschwerden dokumentiert, sortiert nach Problemfeldern:

Untergeschobener Vertrag/Abofalle

Probeabos sind eigentlich eine gute Möglichkeit, ein Angebot kennenzulernen. Bei einigen Anbietern geht allerdings das Probeabo ohne weitere Informationen in ein teures Premiumabo über.

Der Verbraucher hat sich auf der [Website X] für das 14-tägige Testabo für 1 Euro angemeldet. Auf der Seite wird mit dem Begriff „Einmalzahlung“ geworben. Verbraucher hat nach dem Kündigungsleitfaden per Mail gekündigt und eine Bestätigung für den Eingang der Kündigung erhalten. Die [X GmbH] buchte trotzdem die Kosten von 89,90 Euro für eine Premium-Mitgliedschaft ab.

Der Verbraucher hat sich für eine Testmitgliedschaft bei [Website X] angemeldet und nachweislich fristgerecht widerrufen. Dennoch bucht der [Anbieter X] von seinem Konto weitere Beträge ab.

Zu hohe Wertersatzforderungen beim Widerruf

Partnervermittlungen bieten ihre Leistungen im Abo-Modell an. Hier erreichen die Verbraucherzentralen viele Beschwerden über die Höhe der Wertersatzforderungen beim Widerruf.

Der Verbraucher hat auf der [Website X] eine Premium-Mitgliedschaft abgeschlossen und nach 9 Tagen per E-Mail seinen Widerruf erklärt. Dieser wurde ohne einen Hinweis darauf, dass der Widerruf zu spät eingegangen sei, bestätigt. Verbraucher hat eine erste Rate i.H.v. 20,90 Euro für den ersten Monat bezahlt, die [X GmbH] verlangt weitere 107,50 Euro für den Zeitraum zwischen Vertrags-abschluss und Widerrufsdatum.

Der Verbraucher hat sich bei [Website X] angemeldet und innerhalb von 4 Tagen widerrufen sowie vorsorglich gekündigt. Die [X GmbH] verlangte einen Wertersatz in Höhe von 108,52 Euro, bei einem Vertrag mit einer Laufzeit von 12 Monaten zu insgesamt 286,90 Euro.

Probleme bei der Kündigung

Bei der Kündigung von Mitgliedschaften werden verschiedene Probleme gemeldet. Zum einen wird die Kündigung erschwert, indem bestimmte Formen der Kündigung verlangt und andere Formen nicht akzeptiert werden. Werden bestimmte Kündigungsformen, z.B. die Kündigung auf einer bestimmten, in einer E-Mail verlinkten Webseite, verlangt, kann es zu Problemen kommen, wenn die Zusendung des Links zu lange dauert oder die verlinkte Webseite nicht aufrufbar ist. Andere Verbraucher berichten, dass ihre Kündigung vom Anbieter ignoriert wird.

Der Verbraucher hat sich auf der [Website X] für das 14-tägige Testabo für 1 Euro angemeldet. Auf der Seite wird mit dem Begriff „Einmalzahlung“ geworben. Verbraucher hat nach dem Kündigungsleitfaden per Mail gekündigt und eine Bestätigung für den Eingang der Kündigung erhalten. Die [X GmbH] buchte trotzdem die Kosten von 89,90 Euro für eine Premium-Mitgliedschaft ab.

Der Verbraucher hat bei einem Portal der [X GmbH] eine Premiummitgliedschaft abgeschlossen. Eine Kündigung per E-Mail ist nur bei einer kostenlosen Mitgliedschaft möglich, bei einer Premium-Mitgliedschaft muss über das Portal gekündigt werden. Es dauerte sehr lange bis dem Verbraucher ein Link geschickt wurde, mit welchem er über das Kundenportal kündigen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war die Frist bereits abgelaufen.


Der Verbraucher schloss bei der [X GmbH] eine 24-Stunden-Probemitgliedschaft für [Website X] für 1 Euro ab. Der Kündigungslink funktionierte nicht.


Der Verbraucher hat Abo von [Website X] bei der [X GmbH] schriftlich ordentlich und fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt gekündigt. Anstatt einer Kündi-gungsbestätigung erhielt er eine Mahnung von einem Inkassobüro über offene Beiträge von 57,48 Euro für 3 Monate plus Inkassokosten von 58,60 Euro.

Inkassoforderung

Probleme mit Vertragsschluss, Widerruf und Kündigung münden oft in Inkassoforderungen.

Der Verbraucher meldete sich kostenlos auf der [Website X] an, schloss dann eine "Premium-Mitgliedschaft in Silber" ab, die er fristgerecht und nachweislich nach einem Monat bei der [X GmbH] gekündigt hat. Allerdings bekam er aber nun Mahnungen für eine angeblich abgeschlossene kostenpflichtige "Gold-Mitgliedschaft". Ein entsprechender Button wurde nie angeklickt. Inzwischen waren Schreiben vom Rechtsanwalt und vom Inkassobüro angekommen. Das Inkassobüro versendete die Mahnungen per Mail. Inhaltlich erfolgte bislang keine Stellungnahme des Anwalts bzw. Inkassobüros. Auf entsprechende Schreiben des Verbrauchers kamen nur weitere Mahnungen.

Datenschutz

Exemplarische Verbraucherprobleme betreffen unverlangt zugeschickte Werbung, fehlende Möglichkeiten, das eigene Profil zu löschen, und Anmeldungen unter fremden Daten.

Der Verbraucher hat sich kostenlos bei [Website X] registriert und sich dann darüber beschwert, dass der Anbieter ständig mit Nachrichten und Werbung nervt, er aber kein Impressum findet, um den [Anbieter X] anzuschreiben. Seine bisherigen Versuche, auf die Werbung zu antworten, funktionierten nicht; auch per Mail hat der Anbieter nicht geantwortet. Die Website ist ohne Impressum.

Der Verbraucher hat sich bei [Website X] angemeldet, ohne etwas zu bezahlen. Daraufhin bekam er E-Mails mit dem Hinweis, er hätte Mails in seinem Posteingang. Um diese Mails zu lesen, müsse er Gebühren zahlen. Der Verbraucher konnte sich im Portal selbst nicht abmelden, und hat vergeblich mehrmals an die [X GmbH] geschrieben, dass seine Daten bei [Website X] gelöscht werden sollen.

Der über 70-jährige Verbraucher kam aus dem Urlaub und stellte unberechtigte Kontoabbuchungen fest. Er veranlasste die Rücklastschriften und erhielt Mahnungen über Kosten für die Nutzung von [Website X] und [Website Y], beides Portale der [X GmbH]. Der Verbraucher hat weder eine Auftragsbestätigung noch Information zum Widerrufsrecht noch Mahnungen erhalten.

Fake-Profile

Einige Verbraucher beschweren sich, dass die Kontakte nicht von anderen Interessenten, sondern von Fake-Profilen kommen. Ein weiteres Problem tritt auf, wenn Verbraucher von kostenfreien auf kostenpflichtige Portale gelockt werden. Dazu werden Verbraucher auf Portalen, bei denen der Kontakt kostenfrei ist, von anderen Mitgliedern kontaktiert. Das andere Mitglied will nach einiger Zeit auf ein anderes Portal wechseln, bei dem der Verbraucher pro Kontakt zahlen soll.

Der Verbraucher hat sich als kostenpflichtiges Mitglied auf [Website X] registriert, um entsprechende Personen aus seinem Umfeld kennen zu lernen. Kontaktiert wurde er jedoch lediglich von sogenannten Standard-Mitgliedern , die laut Sei-tenbetreiber gar nicht mit dem Verbraucher in Kontakt treten können.

Der Verbraucher hat sich kostenfrei bei [Website X] angemeldet. Für den Kontakt zu anderen Mitgliedern müssen kostenpflichtige „Flirtpunkte“ gekauft werden. Seines Erachtens sind die dort schreibenden Personen zu 75 % Fakes. Als er sich beschwerte, wurde das Supportkonto gesperrt. Auf seine Frage zur Löschung des Accounts erhielt er keine Antwort.

Der Verbraucher wurde von einem Kontakt auf der [Website X] auf die [Website Y] gelockt, da der Kontakt mitteilte, er wäre nur noch auf [Website Y] erreichbar. Der Verbraucher kaufte Coins, um weiter in Kontakt zu bleiben und um anzurufen, wo-bei der Anruf scheiterte.

Der Verbraucher wurde auf der [Website X] kontaktiert. Der Kontakt hat ihn dann aufgefordert, ihm auf die [Website Y] zu folgen, weil es dort seriöser wäre. Der Verbraucher hat sich daraufhin auf der [Website Y] angemeldet, einem Portal bei dem jede Kontaktaufnahme kostet. Dort wurde er von diversen, jüngeren Damen angeschrieben, mit der Bitte sich zu melden. Diese haben zu jeder Tages- und Nachtzeit schnell geantwortet. Unabhängig davon, was er geschrieben hat, kamen die gleichen kurzen Antworten mit dem Ziel, eine Aktion vom Verbraucher zu bekommen. Als er sich nicht mehr gemeldet hat, kamen kurze Nachrichten mit der Bitte sich wieder zu melden.

 

Für den Marktüberblick wurden 307 besonders auffällige Beschwerden, die innerhalb eines Jahres von den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen mit ausführlichen Fallbeschreibungen in das Frühwarnnetzwerk der Marktwächter gemeldet wurden, ausgewertet. Die gemeldeten Anbieter wurden vor der Auswertung drei Portalkategorien zugeordnet: Partnervermittlung – Portal schlägt potenzielle Partner vor --, Singlebörsen – selbständige Suche in den Profilen – und Erotikportale – Vermittlung von Kontakten für Erotik. So konnten Aussagen zu den verschiedenen Segmenten getroffen werden.

Projektleitung

  • Sven Scharioth
    Projektleiter Marktwächter Digitale Welt beim vzbv

Teamleitung

Susanne Baumer
Marktwächter Digitale Welt
Verbraucherzentrale Bayern
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