Pilotuntersuchung Geldanlage und Altersvorsorge 2014

26.03.2015

Wie gut ist die Beratung für Rente und Erspartes?

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Bei der Suche nach einem passenden Finanzprodukt ist Beratung sehr hilfreich. Doch wie gut beraten Banken oder andere Vertriebe in Deutschland? Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg stellte 2014 in einer Pilotuntersuchung fest, dass Verbraucher zu oft Geldanlage- und Altersvorsorgeprodukte besitzen, die nicht zu ihren Bedürfnissen passen. Das Ergebnis zeigt: In vielen Fällen ist Beratung nicht bedarfsgerecht.

620 persönliche Geldanlage- und Altersvorsorgeberatungen aus sechs Verbraucherzentralen wurden in der Pilotuntersuchung „Erhalten Verbraucher bedarfsgerechte Produkte?“ ausgewertet: sowohl bestehende Produkte der Verbraucher, als auch neue Vertragsangebote aus dem Zeitraum November 2013 bis Oktober 2014. Genauestens betrachtet wurden zum Beispiel Fonds, Sparpläne oder Rentenversicherungen und ob sie zur Lebenssituation der Verbraucher passen. Die Stichprobe zeigte: 38 Prozent der in der Vergangenheit erworbenen Anlageprodukte waren zum Zeitpunkt der Bewertung nicht bedarfsgerecht. Sie passten nicht zu den Bedürfnissen der Verbraucher, da 55 Prozent zu wenig rentabel waren, 50 Prozent zu teuer, 30 Prozent zu riskant und 25 Prozent zu unflexibel. Betrachtet man die Quote pro Anleger, besaßen sogar acht von zehn Haushalten mindestens ein nicht bedarfsgerechtes Anlageprodukt.

Auch die Qualität der Finanzberatung konnte bewertet werden. 124 Verbraucher brachten 244 aktuelle Angebote in die Beratung der Verbraucherzentralen mit, zu denen ihnen Sparkassen, Banken und andere Vertriebe geraten hatten. Hier fiel das Ergebnis noch schlechter aus: 90 Prozent der neu angebotenen Verträge waren nicht bedarfsgerecht. Die den Verbrauchern vorgeschlagenen Produkte passten zu einem Großteil nicht zu deren aktueller Lebenssituation. 69 Prozent der Vertragsangebote waren zu teuer, 45 Prozent zu unflexibel, 35 Prozent zu wenig rentabel und 23 Prozent der Verträge zu riskant.

Natürlich hat jedes Anlageprodukt individuelle Eigenschaften, was Risiko und zu erwartende Rendite betrifft. Doch auch die Risikobereitschaft und -tragfähigkeit jedes Verbrauchers ist individuell. Deshalb wurde bei den Beratungen der Verbraucherzentralen konsequent nachgefragt: Wie sieht die finanzielle und persönliche Situation des Verbrauchers aus? Welche Pläne und Anliegen hat er? Wie flexibel müssen seine Finanzprodukte sein und wie sicher? Erst dann ist eine Einschätzung der Produkte möglich.

Alarmierend ist vor allem, wie viele Verbraucher von Banken und Vertrieben falsch beraten wurden. Dies ist ein typisches Problem des provisionsbasierten Vertriebs, der laufend zu Interessenskonflikten und Fehlberatungen führt: Verbraucher erhalten beispielsweise beim Abschluss einer Rentenversicherung oft zu teure, aber für den Vertrieb lukrative Verträge.

Als Marktwächter Finanzen will die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Missstände in diesem Bereich publik machen und die Diskussion über nötige Reformen anstoßen, damit sich die Beratungssituation für Verbraucher zu Geldanlagen und zur Altersvorsorge verbessert.